Josef Stoll steht für Mobilität der Zukunft

Jan 04

Enthusiastisch war Josef Stoll schon immer. Und Durchhaltevermögen hat er bereits als Jugendlicher und Landesmeister beim 10-Kampf gezeigt.

Nachdem seine Mutter aufgrund schlechter Noten gedroht hatte, ihn vom Gymnasium zu nehmen, wollte er es sich und den Anderen zeigen. Da für ein Hochschulstudium die finanziellen Möglichkeiten fehlten, verpflichtete er sich als Zeitsoldat bei der Bundeswehr und studierte Luft- und Raumfahrttechnik an der Bundeswehr Universität München. Nach 12 Jahren als Zeitsoldat und technischer Leiter von NATO Einsätzen im In- und Ausland wechselte er in die Wirtschaft – ins Umweltmanagement zur Siemens AG. Danach zertifizierte er für die DQS Unternehmen in ganz Europa zum Thema Umwelt- und Arbeitsschutz. Seine Praxiserfahrung gab er als Dozent an der privaten Hochschule Wirtschaft, Sankt Gallen, und als Unternehmensberater zum Thema strategisches Management und Management-Systeme an Mittelständler in der Schweiz und Süddeutschland weiter. Es folgten Stationen in der Luftfahrt in der Geschäftsführung der SR Technik und im Bereich Flugzeugwartung, Qualität und Sicherheit bei der Jet Aviation. Danach wechselte er zur Bahn – erst als Mitglied der Geschäftsführung der SBB Infrastruktur (Schweiz), dann als CTO und Head of Technical Innovation der Deutschen Bahn.

PF: Josef Stoll – Ihre beruflichen Stationen sprechen für sich. Aber was mich zudem beeindruckt hat, war, dass ein vor wenigen Tagen auf Ihrem Profil in LinkedIn geposteter Link zwischenzeitlich über 600 Klicks und über 100 Kommentare erhalten hat. Jeder Kommunikationsberater wünscht sich diese Erfolgsrate für seine Kunden! Wie machen Sie das?

JS: Das hat sich einfach so ergeben und war auch nie meine Absicht. Ich brenne nun mal für das Thema Mobilität der Zukunft und wenn ich Neues entdecke oder Interessantes lese, kann ich nicht anders als es mit Menschen, die sich für das gleiche Thema begeistern können, zu teilen. Ohne, dass dies meine Absicht wäre, kommen täglich neue hinzu.

PF: Was meinen Sie damit, wenn Sie sagen, Sie brennen für das Thema?

JS: Der Mensch war schon immer unterwegs. In der heutigen Zeit nimmt es durch das bestehende Angebot und die zum Teil sinkenden Preis weiter zu – man denke hier nur an die Fernbusse. Ich bin überzeugt, dass sich unser Mobilitätsverhalten verbunden mit den digitalen Möglichkeiten von morgen und dem autonomen Fahren auf der Straße in den nächsten 10 bis 20 Jahren stark verändern wird.

PF: Wie wird die Mobilität der Zukunft in 5 Jahren, wie in 10 Jahren aussehen?

JS: Natürlich kann ich die Zukunft nicht vorhersagen, aber einiges zeichnet sich schon heute ab. Dinge, die noch vor 18 Monaten unvorstellbar waren, werden heute Realität. Mit neuen Kommunikationstechniken werden sich Autos, die ja bereits heute teilautonom fahren können, weiter verändern. Wenn dann VW diese Technik in wenigen Jahren im Golf und damit auch bei Fahrzeugen von Audi, Skoda und Seat anbietet, wird diese Technik in Verbindung mit dem Hybridantrieb für eine größere Bevölkerungsgruppe verfügbar. Ich rechne schon in den nächsten fünf Jahren damit. Parallel dazu entwickelt die Gesellschaft andere Werte: Das Auto ist immer weniger Statussymbol -und das Car Sharing gewinnt an Bedeutung. In Deutschland hatten wir schon immer Mitfahrzentralen – BlaBlaCar ist nur die digitale Version des Ganzen. In zehn Jahren könnte sich das gesamte System der Mobilität verändern – schnelle Verbindungen von Punkt zu Punkt mit der Bahn oder dem Hyperloop von Elon Musk verknüpft mit selbstfahrenden Fahrzeugen in den Städten.

PF: Das klingt für mich noch sehr utopisch. Vor allem auch, wenn ich an die eher konservative Politik in Deutschland denke. Wie sehen Regional-und Bundespolitiker die Entwicklung?

Ich würde nicht sagen, dass wir nur konservative Politiker in Deutschland haben. Wie jeder von uns werden auch sie von der rasanten Entwicklung überrascht. Gleichzeitig müssen sie Investitionsentscheidungen fällen. Manchmal ist das bei diesen großen Entscheidungen, wie bei Ihnen Zuhause. Kaum entschieden und gekauft, gibt es am Markt etwas besseres und billigeres.

PF: Und im europäischen Vergleich? Welche Rolle spielt Deutschland?

Mit seinem engagierten und innovativen Mittelstand hat Deutschland große Chancen, die es nun zu ergreifen gilt.

PF: Im letzten Jahr waren Sie im Silicon Valley. Haben die Besuche bei den Unternehmen Ihre Einstellung zur Mobilität der Zukunft geändert? Sind die Amerikaner schon weiter als wir in Europa

Ja, das hat es. Denn die Reise hat mir gezeigt, dass die Technik schon weiter ist, als wir es in Deutschland dachten. Unsere Automobilindustrie hat uns das ja auch in den letzten Monaten deutlich gezeigt. Die Amerikaner gehen offener mit neuen Ideen um – sie probieren schneller aus und haben keine Angst vor dem Scheitern. Deshalb haben deutsche Hersteller ihre Autos zum Teil auch dort entwickelt und getestet.

PF: Hat die Mobilität Sie schon immer begeistert? Wie kam es dazu?

Meine berufliche Entwicklung hatte immer etwas mit Mobilität zu tun oder erforderte viele Reisen. Somit war Mobilität schon immer ein Thema für mich – sei es sportlich auf den eigenen Beinen oder mit Überschall durch die Wolken. Und damit wuchs die Begeisterung mit jedem Schritt und mit jeder neuen technologischen Lösung, die ich finde.

PF: Herr Stoll, zusammengefasst in einem Satz: Für was stehen Sie heute?

JS: Ich gestalte die Mobilität der Zukunft

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About the Author

Pia Frei ist seit 20 Jahren Unternehmerin. Ihre Überzeugung: Am Markt bewegen kann nur der etwas, der sich für seine Sache einsetzt. Ihre Motivation: Zu den Besten gehören und dabei achtsam mit seinem Gegenüber umgehen. Mit der Initiative „Profil Zeigen“ lässt sie Meinungsmacher zu Wort kommen, die nicht nur reden, sondern auch handeln und dabei für das einstehen, was sie vertreten.