Startups sind das Adrenalin unserer Wirtschaft.

Christoph Gerlinger

Sep 18

Viele reden darüber, wenige tun es. Christoph Gerlinger ist einer von ihnen. Sein Business: Startups. Als Gründer und CEO der German Startups Group ist er ein Insider. Seine Firma ist an der Frankfurter Börse notiert.

Ein renommiertes Wirtschaftsmagazin bezeichnete ihn als einen der 50 interessantesten Gründer und der Bundesvorstand der CDU hat ihn als externen Experten in das Netzwerk „Digitalisierung“ berufen.

Pia Frei: Christoph Gerlinger – Wie kam es, dass Sie sich quasi von der Geburtsstunde an mit Startups beschäftigt haben?

Christoph Gerlinger: Nach meiner Banklehre stand für mich fest, nie in so einer ungeheuren Konzernstruktur arbeiten zu wollen. Einem Großunternehmen, in dem man über die ersten Jahre völlig befreit ist von Verantwortung, Freiheitsgraden und Gestaltungsmöglichkeiten, total abhängig vom subjektiven Urteil von Vorgesetzten, die bloß ein bisschen früher dort waren. Wo jeder mit Ellbogen gegen seine Mitstreiter kämpft.

Ich wollte gestalten, etwas bewegen. Und so habe ich nach einigen Jahren in der Internetbranche mein eigenes Unternehmen gegründet – Frogster Interactive Pictures. Habe es durch Höhen und Tiefen geführt, erfolgreich gemacht und an die Börse gebracht.

Danach stand für mich fest, dass Startups mein Steckenpferd sind. Mir gefällt vor allem daran, dass sie schnell, hierarchiefrei, ideen- und kompetenzgetrieben sind. Sie haben Mitarbeiter mit sehr viel Teamgeist und beteiligen diese unmittelbar am Erfolg und Misserfolg des Unternehmens, sowohl faktisch als auch monetär.

Pia Frei: Was meinen Sie damit, wenn Sie sagen, Startups faszinieren Sie?

Christoph Gerlinger: Es sind die Gründer der Startups, die mich faszinieren. Typischerweise gibt ein junger Mensch mit exzellenter Ausbildung einen gut bezahlten und mit klaren Karriereperspektiven gesegneten Job bei einer Top Unternehmensberatung  oder Investmentbank auf, um ohne Anfangskapital  ein Unternehmen zu gründen. Schafft aus dem Nichts Produkte oder Dienstleistungen, Arbeitsplätze, erkämpft sich Märkte, ohne dass er sich zu Beginn ein Gehalt bezahlen kann. Sein Ziel: unabhängig, auf sich allein gestellt, Internetmillionär werden. Und oft klappt es sogar. Das begeistert mich.

Pia Frei: Was bringen Startups der deutschen Wirtschaft?

Christoph Gerlinger: Innovationskraft, qualifizierte Arbeitsplätze, Steuereinnahmen, Sozialversicherungseinnahmen, allgemeinen und individuellen Wohlstand.

Pia Frei: Startups = Risikokapital. Für wen sind Investitionen lukrativ? 

Christoph Gerlinger: Wenn man es richtig macht, für alle Anleger, die sich mehr Erträge wünschen als sie bei Anleihen bekommen. Zur Wahl stehen Venture Capital Fonds für sehr wohlhabende Anleger, Direktinvestments für Business Angels, also Personen mit Zugang zu gutem Deal Flow und Know How bei der Auswahl der Unternehmen sowie ausreichend Zeit die Investments zu begleiten, und Venture Capital Aktien für alle, die ihr Geld Profis anvertrauen möchten.

Pia Frei: Macht Ihnen Crowd-Funding Konkurrenz?

Christoph Gerlinger: Nein. Crowd-Funding ist bisher weder für die Startups eine ernst zu nehmende Finanzierungsalternative zu Venture Capital, noch für Anleger eine ernst zu nehmende Anlagealternative –  sei es in Gestalt von VC Fonds oder einer VC Beteiligungsgesellschaft wie der German Startups Group.

Pia Frei: Welche Branchen sind derzeit auf Ihrer Akquisitionsliste?

Christoph Gerlinger: Vor allem FinTechs, AdTechs, Internet-of-Things.

Pia Frei: Und vom Standort? Gibt es Städte, die Startups besonders anziehen? Ein deutsches Silicon Valley?

Christoph Gerlinger: Eindeutig ja, Berlin. Nach Einschätzung vieler auch prominenter US-amerikanischer VC Profis der zweitbeste Ort in der Welt, um ein Startup zu gründen. Und übrigens mit viel geringeren Lebenshaltungskosten – also auch Personalkosten – und somit geringeren Risiken.

Pia Frei: Christoph Gerlinger – zusammengefasst in einem Satz: Für was stehen Sie?

Christoph Gerlinger: Ich bin selbst Gründer und will die deutsche Gründerszene weiter nach vorne bringen. Junge, deutsche Unternehmer mit Ideenreichtum, Innovationskraft, Wissen, Fleiß, Sorgfalt und Talent unterstützen. Ihnen die finanziellen Möglichkeiten eröffnen, systematisch tolle, werthaltige, meist international tätige Unternehmen aufzubauen – zu ihrem eigenen Wohl. Nebenbei erwirtschaften sie tolle Erträge für ihre VC Investoren wie wir einer sind. In einem Satz: Ich stehe für die deutsche Startup-Szene.

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About the Author

Pia Frei ist seit 20 Jahren Unternehmerin. Ihre Überzeugung: Am Markt bewegen kann nur der etwas, der sich für seine Sache einsetzt. Ihre Motivation: Zu den Besten gehören und dabei achtsam mit seinem Gegenüber umgehen. Mit der Initiative „Profil Zeigen“ lässt sie Meinungsmacher zu Wort kommen, die nicht nur reden, sondern auch handeln und dabei für das einstehen, was sie vertreten.